Im Gespräch:
Peter Löcker

September 2025
Interview mit Wilfried Oschischnig

Peter Löcker führt in dritter Generation den Biohof Sauschneider, den seine Großmutter 1919 von zwei ihrer Tanten übernommen hatte. Bis zu seiner Übernahme war der Hof ein reiner Selbstversorgungsbetrieb mit wenigen Tieren und kleinen Flächen. Heute zählt der Betrieb zu den Pionieren der österreichischen Biolandwirtschaft. Im Herbst 2023 hat die vierte Generation übernommen. Doch der 61-jährige Peter Löcker bleibt aktiv und gibt sein Wissen an andere Bäuerinnen und Bauern weiter – sein liebstes „Hobby“ im Unruhestand.  

JB In wenigen Worten: Für was steht dein Hof? 

PL Nachhaltigkeit und Enkeltauglichkeit. Wir arbeiten seit über 35 Jahren biologisch und geben den Hof nun an die nächste Generation weiter. 

JB Was ist deine größte Motivation, Landwirt zu sein – wofür setzt du dich ein? 

PL Die Motivation liegt darin, auf gesunden Böden gesunde Pflanzen anzubauen. Das ist der beste Weg zu eigener Gesundheit. 

JB Was machst du anders als die anderen? 

PL Bei der Tierhaltung bin ich „intensiv extensiv“. Unsere 30 Alpenschweine, eine gefährdete Rasse, leben das ganze Jahr draußen, selbst bei –20 °C. Am besten lässt man die Natur arbeiten und greift so wenig wie möglich ein. Das gilt auch für den Boden: Je weniger Eingriffe, desto besser für das natürliche Gleichgewicht. 

JB Was ist deine Vision für den Betrieb – wie soll er sich in Zukunft entwickeln? 

PL Humusaufbau war und ist entscheidend, um den Hof guten Gewissens weiterzugeben. Ich freue mich, dass mein Sohn diesen Wert ebenfalls trägt. Zukünftig möchte ich meine Erfahrung noch stärker teilen, zum Beispiel bei Exkursionen auf unserem Hof. 

JB Und was ist deine Vision für die Natur? 

PL Wir müssen auf Vielfalt achten und danach handeln. Biolandwirtschaft wird politisch kaum unterstützt, doch ich bin Optimist: Die Bevölkerung denkt bewusster, und die Vernunft wird sich durchsetzen. 

JB Warum und wie setzt du dich für Humusaufbau und Biodiversität ein?  

PL Humus speichert CO₂, sorgt für Bodengesundheit und Biodiversität. Seit 30 Jahren arbeite ich mit Gründüngung und Kompost. Mit einem speziellen Pflug wird der Boden gelockert und durchmischt, nicht umgegraben – gut für das Bodenleben. Unser Boden enthält aktuell 8,5 % Humus, während konventionelle Böden oft nur 1,5–2 % aufweisen.

JB Was unterscheidet deinen Lungauer Tauern Roggen von „modernen“ Sorten?  

PL Mit bis zu 2,40 m Höhe schützt der Roggen den Boden durch Schatten vor Austrocknung – besonders in Dürreperioden. Er wurde vor Jahrhunderten als Wintergetreide für alpine Lagen gezüchtet und ist extrem widerstandsfähig. Eine Studie der Universität Basel zeigte: Die kleinen Haarwurzeln einer einzelnen Pflanze erstrecken sich auf 89 km – die gesamte Wurzelmasse eines Hektars könnte die Welt einmal umspannen!

JB Warum baust du gerade den Lungauer Tauern Roggen an?  

PL Mir ist es wichtig, diese seltene Sorte zu erhalten. Zusammen mit meiner Frau und befreundeten Biobauern sorgen wir dafür, dass der Roggen nicht verloren geht. Er hat zwar etwas kleinere Körner, dafür aber intensiveren Geschmack und besondere ernährungsphysiologische Qualitäten. 

Peter Löcker

Peter Löcker führt den Biohof Sauschneider in dritter Generation und gilt als Vorreiter der österreichischen Biolandwirtschaft. Mit Fokus auf Humusaufbau, Biodiversität und Erhalt seltener Getreidesorten wie dem Lungauer Tauern Roggen setzt er Maßstäbe für nachhaltige Landwirtschaft. Auch nach der Hofübergabe bleibt er aktiv und teilt sein Wissen mit der nächsten Generation von Bäuerinnen und Bauern. 

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